LCI-Symposium 2011 "Co-Infection"
Jährlich sterben weltweit mehr als 9,5 Millionen Menschen an Infektionskrankheiten, so schätzt die Weltgesundheitsorganisation (World Health Organization, WHO). Dabei gehen etwa 8 Millionen Todesfälle allein auf das Konto von HIV/AIDS, Malaria, Tuberkulose (TB) und anderen Lungeninfektionen.
Derlei Infektionserkrankungen waren am 26. und 27. Januar 2011 Thema des internationalen LCI-Symposiums „Co-Infection 2011“ in Hamburg. Im besonderen Fokus der 150 Teilnehmer standen Koinfektionen, also gemeinsam auftretende Erreger, die sich in ihrem Krankheitsbild gegenseitig beeinflussen. Veranstalter waren die drei Institute des Leibniz Center Infection (LCI), das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin, das Forschungszentrum Borstel (FZB) und das Heinrich-Pette-Institut (HPI).
„In der Praxis haben wir es oft mit gemischten Infektionen durch zwei oder mehr Erreger zu tun. Das hat Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf, die Reaktionen des Körpers und schlussendlich auf den Behandlungserfolg. Koinfektionen können zum Beispiel die Immunität gegen andere Infektionserreger unterdrücken oder auch überschießende Reaktionen des Abwehrsystems auslösen“, fasst Prof. Dr. Ulrich Schaible vom FZB, Sprecher des LCI, zusammen. Darüber hinaus können die wichtigsten Vorbeugemaßnahmen, Schutzimpfungen, durch bereits bestehende Infektionen beeinflusst werden. „Auch in westlichen Ländern bereiten Koinfektionen große Probleme: Etwa ein Drittel der Grippe-Todesfälle gehen auf eine Lungenentzündung und die Koinfektion mit bakteriellen Keimen zurück“, ergänzt Prof. Dr. Thomas Dobner vom HPI. Ursache sind häufig massive Immunreaktionen auf die Influenza-A-Viren, die den Bakterien den Weg bereiten. Bestandteile der Bakterien befeuern dann diese Entzündungen noch weiter, so dass sie außer Kontrolle geraten und tödlich verlaufen können.